Erfolge, Erfahrungen, Zusammenhalt

Roland Böller_Marie Graf_Konstantin Walter

Kaum ein Sport verlangt so viel Zeit und Ausdauer wie das Schwimmen. Wie sieht ein Tag im Leben eines Erlanger Schwimmers aus? Warum betreiben junge Menschen diesen Aufwand? Und welche Potentiale sieht der neue Hauptsponsor „Sparkasse Erlangen“ in den Schwimmern?

Dass man doch nicht ganz normal sein kann, ob man sich da denn sicher sei und vor allem: warum man das mache, sind Fragen, mit denen sich Leistungssportler beinah täglich konfrontiert sehen. Und im besonderen Leistungsschwimmer. Gut, durchaus schwer nachvollziehbar mag es einem Normalbürger erscheinen, wenn er von dem Pensum der jungen Erlanger Schwimmer erfährt.

Bis zu zehnmal pro Woche gehen sie für zwei Stunden ins Wasser, täglich kommt noch eine Stunde Kraft- und Athletiktraining dazu. Wer nachrechnet, kommt auf 27 Stunden Training in der Woche. Oft finden am Wochenende noch zwei- bis dreitägige Wettkämpfe statt. Die Schule wird irgendwie nebenbei erledigt.

Ein Tag im Leben eines Schwimmers sieht dann ungefähr so aus: um 5 Uhr aufstehen, essen, schwimmen, essen, Schule, essen, schlafen, Athletiktraining, schwimmen, essen, schlafen. Die Konstanten „schlafen, essen, schwimmen“ sind schnell ausgemacht. „Das ist“, sagt der Erlanger TB-Schwimmer Konstantin Walter, „tatsächlich unsere Hauptbeschäftigung. Für mehr bleibt einfach keine Zeit.“

Wie das zu schaffen ist? Ein großes Glück für den Erlanger Schwimmsport ist die Bertolt-Brecht-Schule (BBS) in Nürnberg. Das Sportgymnasium nimmt Rücksicht auf Leistungssportler aller Bereiche, hier kann man noch ein neunjähriges Gymnasium absolvieren, der Stoff ist also auf mehr Jahre verteilt. Die Schule stimmt sich auf das Frühtraining ab, oft beginnt der Unterricht später, und wenn die Athleten aufgrund von Wettbewerben und Trainingslagern bis zu einem Drittel der regulären Schultage fehlen, können Klausuren problemlos nachgeschrieben werden.

Von der ersten Mannschaft des Turnerbundes Erlangen (Teil der SG Mittelfranken) um Trainer Roland Böller gehen viele Sportler auf die BBS – und schaffen so ihr Pensum. Die meisten Schwimmer sind nicht schlecht in der Schule, auch nicht mittelmäßig, sondern gute Schüler. Im ersten Moment mag das verwunderlich anmuten, doch wenn man genauer hinschaut, die Charaktere der jungen Leistungsschwimmer näher betrachtet, macht es Sinn: „Sie sind alle wahnsinnig ehrgeizig und diszipliniert“, sagt Roland Böller über seine Schützlinge. Und das muss man auch sein, wenn man diesen Sport auf diesem Niveau macht. Wer morgens um 5 Uhr aufsteht, um sich auch bei minus 10 Grad auf den Weg zum Schwimmbad zu machen, und das über Jahre und Jahrzehnte hinweg, der muss es wollen. Der muss einen ausgeprägten Willen haben und beißen können, dranbleiben. Die Erlanger Schwimmer sind konzentriert, im Training und im Wettkampf, sie schlagen nicht über die Stränge und ziehen nachts nicht um die Häuser. Und sie lernen etwas fürs Leben:

Sparkasse neuer Hauptsponsor

„Siege feiern, Niederlagen verkraften, Zusammenhalt spüren: Sport vermittelt jungen Menschen schon früh soziale und emotionale Kompetenzen, die im späteren Leben wichtig sind“, da sind sich Werner Rometsch und Christoph Martin von der Sparkasse Erlangen einig. Dies habe unter anderem auch die Entscheidung befördert, den Erlanger Schwimmsport als neuer Hauptsponsor zu unterstützen. Damit stehen die Erlanger Schwimmer endlich wieder auf sicheren Beinen, nachdem seit dem Wegfall des ehemaligen Sponsors „Siemens“ jahrelang ums Überleben gekämpft werden musste. Schon seit vielen Jahren begleitet die Sparkasse den Erlanger Schwimmsport. Mit dem näher rückenden sportlichen Höhepunkt der Olympischen Spiele in Rio 2016 stockte sie ihre Hilfe auf – auch mit Blick auf die bisherigen Erfolge.

Den Sprung in die Jugendnationalmannschaft haben Nils Wich-Glasen, Konstantin Walter und Marie Graf geschafft. Der 20-jährige Wich-Glasen schwimmt in der offenen deutschen Spitze mit und nahm 2013 an den Kurzbahn-Europameisterschaften teil. Seit dieser Saison studiert und trainiert der Brustschwimmer in South Carolina (USA). Hier lasse sich, so das Schwimmtalent, „Uni und Sport einfach besser unter einen Hut bringen.“ Nach den nationalen Erfolgen will Wich-Glasen in naher Zukunft auch international Ausrufezeichen setzen. Sein erklärtes Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Wiedersehen wird er seine Schwimmkollegen in knapp vier Wochen bei den Deutschen Meisterschaften. Unter anderem wird Konstantin Walter am Start sein und um die Qualifikation für die Jugendeuropameisterschaften (JEM) kämpfen. Im letzten Jahr gewann der 17-Jährige bei der JEM in Dordrecht (Niederlande) mit der 4x200m Freistilstaffel die Goldmedaille. „Die Perspektiven für die kommenden Jahre“, lässt die Sparkasse verlauten, „sind sehr vielversprechend.“ Auch die Mädchen in der ersten Mannschaft greifen an, die 15-jährige Marie Graf gewann zweimal Gold bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften im letzten Jahr, Mareike Förster wurde bei der DM im offenen A-Finale Fünfte über 200m Brust und Cindy Oberneder Neunte über 1500m Freistil.

Mit Freude beobachtete nicht nur Roland Böller, sondern auch die sportbegeisterten Sponsoren ESTW, Der Beck, Sontowksi & Partner, Baier Rohrreinigung, ZBI und Mauss-Bau vor wenigen Wochen den Aufstieg der TB-Mädels in die erste Bundesliga. „Das ist es“, sagt Böller, „wo wir hingehören.“

Und das ist es auch, wofür die jungen Schwimmer den enormen Trainings- und Zeitaufwand auf sich nehmen. Die Erfolge. „Eine Medaille zu gewinnen, seine Ziele zu erreichen“, sagt Cindy Oberneder, „das sind die schönsten Momente.“ Die Erfahrungen. Kaum einer wird im Alter von 12-18 Jahren schon mehrere Male wochenlang in den USA im Trainingslager verbracht haben. Letzten Sonntag flogen die besten TB-Schwimmer ins Camp nach Südafrika. Der Zusammenhalt. „Ich habe fast alle meine Freunde beim Schwimmen“, sagt Marie Graf, „es sind meine besten.“
(Bericht: E.Walter)