Eine Medaille und 3x Europameisterschaft

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Die Schwimmerinnen der SG Mittelfranken gewinnen Bronze. Konstantin Walter, Marie Graf und Katrin Gottwald qualifizieren sich für die Jugendeuropameisterschaften.

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Das Highlight in jeder Saison, das Ziel, auf das hingearbeitet wird, für das tausende Kilometer im Jahr geschwommen werden, sind die Deutschen Meisterschaften. Die besten Erlanger Schwimmer der Ersten Mannschaft um Trainer Roland Böller verbrachten die zwei Wochen vor der DM im Trainingslager in Kapstadt, um sich in der südafrikanischen Sonne optimal vorzubereiten. Dort, so Svenja Schüren, 16 Jahre alte Schwimmerin in Erlangen, hätten sie noch nicht geahnt, dass sie mit einer Medaille von den nationalen Spielen am letzten Wochenende nach Hause fahren würde. „Das Herz einer Mannschaft“, so Böller, „ist die Staffel.“ Und bei der SG Mittelfranken gewann das Herz der Mannschaft Bronze. Mit vereinten Kräften kämpften sich Cindy Oberneder (TB/SGM), Svenja Schüren (TB/SGM), Anna Ehemann (Altenfurt/SGM) und Katrin Gottwald (Altenfurt/SGM) über 4x200m Freistil in die deutsche Spitze. „Das war ein wirklich unerwarteter Erfolg für uns“, freute sich Svenja Schüren. Die jungen Sportlerinnen schlugen überraschend hinter den Teams aus Saarbrücken und München in 8:26,89 Minuten an. Über 4x100m Freistil wurden die Mädchen in der gleichen Besetzung Vierte. Bei den Staffeln vorne in Deutschland mitzuschwimmen, das sei unter anderem das Ziel für die diesjährige DM gewesen, so Böller: „Da wollen wir sein, da wollen wir hin, da wollen wir bleiben.“ Cindy Oberneder schwamm auch in der Einzelstrecke unter die Top Ten Deutschlands. Über 1500m Freistil belegte die Langstreckenspezialistin Platz neun. Über die 800m-Distanz wurde es der vierzehnte Platz.

Ganz knapp an einer Medaille vorbei schrammte der seit längerem in den USA trainierende Fabian Schwingenschlögl (1.FCN/SGM): Über 200m Brust schlug er in 2:14,73 Minuten als Sechster an. Vierter wurde er über 100m Brust.FabianSchwingenschlögl_DM_2015

JEM – Qualifikation

Es ist ein kleiner Traum für jeden Schwimmer, sich für ein A-Finale zu qualifizieren, das mit Glück live im Fernsehen übertragen wird. In Erfüllung ging dieser Traum auch für Konstantin Walter (TB/SGM). Der 18-Jährige schwamm über 200m Rücken als Zehnter ins A-Finale: „Ich war schon etwas aufgeregter als sonst“, sagte der Schwimmer, „die Fernsehkamera so nah vor einem, und zu wissen, jeder kann zuschauen.“ Motivierend wirkte die Aufregung aber auch: Walter kämpfte sich im Finale auf den achten Platz vor und schwamm in 2:04,42 Minuten noch einmal eine Sekunde schneller. Viel wichtiger aber war für den TB-Schwimmer die Erfüllung der Normzeit für die Europameisterschaften der Junioren im Juni in Baku (Aserbaidschan). Nachdem er letztes Jahr mit der 4x200m Freistilstaffel bei der JEM Gold holte, trainierte er auch dieses Jahr hart, um wieder mit der Jugendnationalmannschaft zur EM zu fahren. Über 100m Freistil schwamm der Erlanger dann sowohl im Vor- wie auch im Endlauf unter der Norm von 51,10 Sekunden – das Ticket war gelöst. „Ich habe mich sehr gefreut und war unglaublich erleichtert“, sagt Walter. Am Sonntag folgte dann die zweite Normunterbietung im B-Finale über 200m Freistil in 1:51,80 Minuten.

Für Marie Graf (TB/SGM) bestand die Herausforderung ebenfalls nicht nur in Bestzeiten und Finalteilnahmen, da auch sie der Altersgruppe angehört, die sich für die JEM qualifizieren kann. In ihrem ersten Rennen über 400m Lagen hatte die 16-Jährige die besten Chancen, die Normzeit von 4:55,00 Minuten zu unterbieten. Im Vorlauf verfehlte Graf die Norm allerdings in 5:00,23 noch deutlich. Im B-Finale jedoch zeigte das junge Talent ihre ganze Stäke und flog in schnellen 4:52,65 Minuten als Fünfzehnte und mit einer deutlichen persönlichen Bestleistung ins Ziel. Im B-Finale über 200m Lagen blieb sie in 2:20,52 Minuten nur fünf Zehntel über die Qualifikationshürde und landete auf Platz 14. Nach diesem guten Ergebnis steht Marie Graf nun auch auf der Qualifikationsliste für die JEM in Baku (Aserbaidschan). Katrin Gottwald (Altenfurt/SGM), eigentlich eine Finalgarantin der SG Mittelfranken, haderte bei der diesjährigen DM mit ihrer Form. Ihre beste Platzierung war über 100m Freistil Platz 18. Da der Deutsche Schwimmverband aber um ihre Stärken weiß, wurde Gottwald für die Junioreneuropameisterschaft nachnominiert. „Wir haben drei Leute in der SG Mittelfranken, die an der JEM teilnehmen“, so Böller, „das ist ein überragendes Ergebnis für uns.“

Nils Wich-Glasen (TB/SGM) hat im Gegensatz zu den jüngeren Schwimmern schon mehr Erfahrung mit A-Finalteilnahmen, gewann er doch letztes Jahr die Silbermedaille über 200m Brust. In diesem Jahr tat sich der 20-Jährige, der seinen Trainings- und Studienort in die USA verlegt hat, allerdings schwer. Seine beste Platzierung war Rang neun über 50m und 200m Brust, Elfter wurde er über die 100m – Distanz. „Ich hatte erst vor kurzem meinen Saisonhöhepunkt in den USA bei den College Meisterschaften“, erklärte Wich-Glasen. Die Form über einen so langen Zeitraum aufrecht zu erhalten, stellt sich für jeden Schwimmer als schwierig dar. Etwas enttäuscht zeigte sich auch Mareike Förster (TB/SGM). Nach ihrem fünften Platz von letztem Jahr über 200m Brust musste die 18-Jährige zum ersten Mal in ihrer Schwimmkarriere einen kleinen Dämpfer verkraften. Über 200m Brust schaffte sie es lediglich ins B-Finale und wurde dort Siebzehnte. Allerdings ist dies auch kein Wunder: Förster steckt gerade mitten in der Abiturphase und konnte deshalb auch das Trainingslager in Südafrika nicht absolvieren.

Zum ersten Mal an einem Finale teilnehmen durfte Varinka Albert (TB/SGM). Die 15-Jährige belegte über 50m Schmetterling Platz 15, genauso wie ihre Teamkollegin Michelle Messel (TB/SGM) über die 200m Schmetterling-Strecke. Gleich zwei Top 20 – Platzierungen erreichte Svenja Schüren, Bronzemedaillengewinnerin mit der Staffel, über 1500m (Platz 15) und 800m Freistil (Platz 18). Der Brustschwimmer Fabian Dalacker (TB/SGM) schwamm routiniert im B-Finale über 200m Brust auf den siebzehnten Platz. Ferdinand Reng (TB/SGM) wurde über 800m Freistil Zwanzigster.

Besonders ins Auge stach bei der DM aber auch der Nachwuchs. Peter Varjasi (Jg. 2000) und Pascale Freisleben (Jg. 2001), beide vom Turnerbund Erlangen, fielen dieses Jahr in die EYOF (European Youth Olympic Festival) – Wertungen. Varjasi schwamm mit den Jungs der Jahrgänge 1999/2000, Freisleben mit den 2001/2002er–Mädchen in den C-Finals. Der gebürtige Ungar Varjasi entschied dabei sogar das Finale über 200m Lagen für sich, jedoch waren zwei weitere Schwimmer seiner Altersgruppe in den anderen Finals schneller. Nur die ersten beiden Schwimmer der Jahrgänge dürfen mit zu den olympischen Spielen der Jugend fahren. Pascale Freisleben schwamm in den C-Finals um die vorderen Plätze ihrer Altersgruppe mit und beeindruckte durch zahlreiche persönliche Rekordmarken.

Unschlagbar zeigte sich auch wieder der erst 14-jährige Nikita Rodenko. Als Flüchtling letztes Jahr aus der Ukraine zum TB gestoßen, startete er bei seinen ersten Deutschen Meisterschaften. In der offenen Klasse konnte er noch nicht mithalten, doch war er über alle Strecken in seinem Jahrgang mit Abstand der schnellste Schwimmer. Das lässt hoffen auf die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Juni in Berlin.
(Bericht: Elena Walter)

 

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BERLIN, GERMANY – 09 APRIL 2015: Die SG Mittelfranken (Cindy Oberneder, Svenja Schüren, Anna Ehemann, Katrin Gottwald) gewinnt BRONZE über 4*200m Freistil bei den 127. Deutschen Meisterschaften im Schwimmen in der SSE Berlin. (Credit Image: Niklas Kappler)